Die amerikanische Wirtschaft zeigt erneut den gewohnten Dualismus der letzten Jahre: Die Statistiken zeigen einen stabilen Anstieg, während die Verbraucherstimmung einen rasanten Rückgang verzeichnet. Diese Diskrepanz ist bereits an sich ein besorgniserregender Indikator, aber Ende 2025 ist sie besonders ausgeprägt.

Aktuelle Daten der Universität von Michigan haben den Optimismus der Investoren gedämpft: Der Verbraucherindex ist nur auf 51,0 Punkte gestiegen – formal ein Anstieg, aber im Grunde bleiben wir am historischen Tiefpunkt, nur wenige Schritte vom Negativrekord aus Juni 2022 entfernt. Der Index der aktuellen Bedingungen ist um 12,8% eingebrochen und hat ein neues Minimum in der gesamten Geschichte der Beobachtungen erreicht. Der Hauptgrund ist die drastische Verschlechterung der Einschätzung der persönlichen Finanzen und der Bedingungen für größere Käufe. Die Menschen fühlen sich wieder ärmer, selbst trotz der langsamen Inflationsrate.

Währenddessen sinken die langfristigen Inflationserwartungen — 3,4 % gegenüber 3,9 % im Vormonat. Das reicht aus, damit die Fed etwas ruhiger aufatmen kann, ist aber eindeutig nicht genug, um das Thema "vorkriegs"-Inflation endgültig von der Agenda zu streichen. Kurzfristige Erwartungen bleiben bei 4,5 % — weit über dem komfortablen Bereich. Das heißt, die Amerikaner glauben nicht an eine schnelle Verbilligung des Lebens, und das wirft einen Schatten auf die Aussichten für die Verbrauchernachfrage.

Auf der anderen Seite der Daten steht die Geschäftstätigkeit. Der Composite PMI stieg auf 54,8 — den besten Wert seit vier Monaten und ein Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft im vierten Quartal zu beschleunigen beginnt. Der Dienstleistungssektor wächst schneller als erwartet, neue Aufträge erreichen den Höchststand seit fast zwei Jahren, die Hersteller bleiben ebenfalls nicht zurück. Ein interessanter Punkt: Die Bestände an Fertigwaren sind auf den höchsten Stand seit 18 Jahren gestiegen, während das Volumen der beschafften Eingangsmaterialien zum ersten Mal gesunken ist. Diese Kombination signalisiert normalerweise, dass die Unternehmen entweder vorsichtig auf hohe Unsicherheit reagieren oder sich auf einen Rückgang der Nachfrage vorbereiten.

Ein weiterer Punkt: Die Lieferfristen haben sich erneut verlängert, unter anderem aufgrund von tariflichen Effekten — eine konsequente Folge der Handelspolitik von Trump. Dies führt zu steigenden Kosten: Die Wachstumsrate der eingehenden Ausgaben im November war eine der schnellsten der letzten drei Jahre. Das Ergebnis ist logisch — eine Beschleunigung der Verkäuferpreise. Das heißt, der Inflationsdruck kehrt nicht von der Verbraucherseite, sondern von der Produzentenseite zurück.

Die Märkte reagieren nervös auf diese gegensätzlichen Signale. Amerikanische Aktien versuchen, sich nach dem Rückgang zu erholen: S&P 500 und Nasdaq gewinnen etwa 1 %, der Dow über 500 Punkte. Auslöser waren die Aussagen des Präsidenten der Fed New York, John Williams — er deutete vorsichtig an, dass die Aufsichtsbehörde "Spielraum" für eine weitere Zinssenkung in naher Zukunft hat. Danach stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember sofort auf 70 %.

Dennoch bleibt der Technologiesektor unter Druck: Investoren diskutieren immer lauter die Frage, ob die AI-Giganten angesichts der nachlassenden Nachfrage und erster Anzeichen einer Überhitzung der Branche nicht zu hoch bewertet sind. Nvidia und Oracle sind erneut im Minus, selbst entgegen der positiven Entwicklung des Index insgesamt.

Auf dem Währungsmarkt gibt es eine eigene Dynamik. Der Dollarindex stieg auf 100,3 — ein Höchststand seit einem halben Jahr. Aber der Grund liegt nicht in der Stärke der amerikanischen Wirtschaft, sondern in der banalen laufenden Welle des risk-off: Der Rückgang der Aktien im AI-Sektor und der Rückgang der Kryptowährungen haben dazu geführt, dass ein Teil des Kapitals in den Dollar geflossen ist. Gleichzeitig bereitet sich der Markt auf eine mögliche Lockerung durch die Fed vor, was die Bewegungen der Währung kompliziert macht — der Dollar steigt nicht, weil er "teuer wird", sondern weil er vorübergehend als sicherer Hafen genutzt wird.

Auf dem Anleihemarkt ist es immer noch interessanter: Die Rendite der 10-jährigen Anleihen ist auf 4,06 % gesunken — dem niedrigsten Stand seit einem Monat. Investoren setzen auf einen zunehmend sanften Kurs der Fed, obwohl es innerhalb der Behörde keinen Konsens gibt: Williams und Mera klingen "taubenhaft", während Logan im Gegenteil warnt, dass eine Zinssenkung ohne Beschleunigung der Desinflation zu riskant ist.

Insgesamt ergibt sich ein widersprüchliches, aber logisches Bild.

— Die Verbraucherstimmung hat sich abgeschwächt. Die Stimmung ist historisch niedrig, die Inflationserwartungen sind hoch.

— Die Geschäfte ziehen an, aber steigende Bestände und Kosten deuten auf zukünftige Probleme hin.

— Die Fed steht erneut im Fokus: Der Markt glaubt an eine Zinssenkung im Dezember, die Aufsichtsbehörde — nicht ganz.

— Die Finanzmärkte balancieren nervös zwischen der Hoffnung auf eine lockere Geldpolitik und wachsender Besorgnis über den AI-Sektor.

— Der Dollar und Treasury-Anleihen steigen aufgrund von risk-off, und nicht wegen makroökonomischer Stärke.

Die US-Wirtschaft läuft wieder in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten: Die "papierbasierte" Wirtschaft, gemessen am PMI und den Unternehmensberichten, zeigt Vertrauen, während die "haushaltsbasierte" Wirtschaft, reflektiert in den Stimmungen und realen Einkommen, klare Besorgnis zeigt. Ein solcher Unterschied kann nicht endlos dauern. Entweder die Unternehmen sind zu optimistisch, oder die Verbraucher sind zu pessimistisch. Das Ende des Jahres wird zeigen, wer recht hat — und wie sanft die Fed die Wirtschaft auf die Landebahn setzen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren.