Vor zwei Tagen, als ich ihren WeChat-Account löschte, verharrte mein Finger drei Sekunden lang auf dem Bildschirm. Nicht aus Schuldgefühlen, sondern weil ich an das dachte, was sie sagte, als sie mich das erste Mal aufsuchte: "Lehrer, wenn ich weiter verliere, wird der Milchtopf des Kindes wirklich leer sein."
Damals konnte sie nicht einmal die K-Linien verstehen, ihre Stimme am Telefon zitterte. Ich ließ sie nur 1800 Meter probieren und wies sie ausdrücklich darauf hin: "Nehm zuerst nur 10% des Kapitals, gewinne oder verliere, erhöhe nicht das Risiko." Sie murmelte damals: "Wie lange wird es dauern, bis dieses bisschen Kapital sich vermehrt?" Ich konterte direkt: "Der Markt bestraft Ungehorsam, nur wenn du überlebst, kannst du auf die Gelegenheit warten."
Nach drei Tagen war das Konto um 36% im Plus, mitten in der Nacht schickte sie mir eine Sprachnachricht: "Es ist echt möglich, Geld zu verdienen!" Man konnte hören, dass sie im Badezimmer sprach, im Hintergrund war das Geräusch eines weinenden Kindes. Später entwickelte sie die Gewohnheit – nach dem Einschlafen des Kindes, das Licht anzuschalten und bis zum Morgengrauen zu analysieren, das Konto wuchs von 1800 Metern auf 8000 Meter.
Was mir wirklich einen kalten Schauer über den Rücken jagte, war am 28. Tag. Sie fragte plötzlich: "Ich sehe, dass viele Leute Schüler nehmen. Kann ich das auch?" Auf meiner Seite fiel mir fast die Tastatur aus der Hand – dieses Gefühl war mir so vertraut. Jeder, der abhebt, beginnt irgendwann mit übermäßiger Selbstsicherheit.
Natürlich passierte es in der sechsten Woche. Sie hatte mir alles verschwiegen und ihr ganzes Kapital in ein sogenanntes "Drecksmünz" gesteckt. Erst nach einem Rückgang um 43% gestand sie: "Ich wollte einfach nur meine eigene Einschätzung testen..." Als ich den Screenshot des Totalverlusts sah, lachte ich nicht über ihr Geldverlust, sondern erinnerte mich an meine eigenen Fehler zu Beginn meiner Karriere – jeder Spieler glaubt, die Glücksgöttin würde ihm eine Ausnahme machen.
Am selben Tag blockierte ich sie. Als jemand fragte, ob das nicht zu hart sei, antwortete ich: Die Abwicklung betraf nicht nur die Position, sondern auch die nicht mehr zu rettende Gier. Das Ironische an der Kryptowelt ist: Vielleicht braucht man nur Glück, um 50.000 zu verdienen, aber um 50.000 zu behalten, muss man den Zufall aus seinem Wesen herausschneiden.
Jedes Mal, wenn ich neue Leute bei der nächtlichen Rückblickanalyse sehe, erinnere ich mich an ihren Schatten unter der Lampe. Was auf diesem Markt wirklich knapp ist, sind nicht die Mythen vom schnellen Reichtum, sondern jene, die auch bei starken Auf- und Abwärtsbewegungen daran denken, warum sie überhaupt losgegangen sind. Schließlich ertrinkt niemand, der sich fest an den Rettungsring klammert, egal wie stark die Wellen sind.
