Die südkoreanische Polizei untersucht derzeit den Verdacht, dass Kim Byung-kee, ein hochrangiger Abgeordneter der Regierungspartei, seine Position im Parlament ausgenutzt hat, um die Kryptobörse Upbit anzugreifen, nachdem sein Sohn eine Anstellung bei der Konkurrenzplattform Bithumb erhalten hatte.
Kim arbeitete 25 Jahre lang im Nationalen Nachrichtendienst und war dort Personalchef, bevor er in die Politik ging. Nun gibt es mindestens neun verschiedene Korruptionsvorwürfe gegen ihn. Einige davon beziehen sich darauf, dass er seine Verbindungen zu Behörden genutzt haben soll, um Vorteile für seine Familie zu bekommen.
Sohn wechselt zu Bithumb und fordert überraschend das Aus für Upbit
Laut einem Bericht aus Südkorea interessierte sich Kim plötzlich verstärkt für Dunamu (den Betreiber von Upbit) und Bithumb, nachdem er nach der Parlamentswahl im April 2024 in den Ausschuss für politische Angelegenheiten gewechselt war.
Ein Mitarbeiter sagte den Ermittlern, Kim habe sich zwischen September und November 2024 mehrmals mit dem CEO von Dunamu getroffen und dazu auch seinen jüngeren Sohn mitgenommen. Dieser ist einer von zwei Söhnen. „Er trug immer den Lebenslauf seines Sohnes bei sich und übergab ihn”, sagte der Mitarbeiter. Im November 2024 traf Kim sich außerdem mit der Leitung von Bithumb. Sein Sohn begann schließlich im Januar 2025 bei Bithumb zu arbeiten – nicht bei Dunamu.
Danach änderte sich Kims Verhalten spürbar. Der Mitarbeiter berichtete, Kim habe das Team angewiesen, Fragen zu erstellen, die Dunamus Marktmacht kritisieren. Kim habe mehrmals betont, das Unternehmen müsse „eine Lektion lernen” und solle „geschlossen werden”.
Im Februar 2025 stellte Kim dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde formale Fragen zu angeblich monopolartigen Praktiken von Dunamu. Der Chef der Behörde sagte, dass er sich wegen möglicher Auflagen mit der Kartellbehörde beraten werde. Der ehemalige Mitarbeiter erklärte gegenüber der Polizei: „Ich glaube, dass er negative Nachfragen zu einem Konkurrenten gestellt hat, weil sein Sohn bei Bithumb angefangen hat.“
Muster mutmaßlicher Vetternwirtschaft
Die Vorwürfe rund um Bithumb passen zu einem größeren Muster. Kim soll sich aktiv dafür eingesetzt haben, dass sein älterer Sohn 2016 beim Nachrichtendienst – also Kims eigener alter Arbeitsplatz – eingestellt wurde. In einer Tonaufnahme ist zu hören, wie Kims Ehefrau einen Mitarbeiter des Dienstes drängt. Sie sagt, sie brauche eine „Bestätigung“, dass ihr Sohn eingestellt wird. Der Mitarbeiter soll zugesichert haben, dafür ein besonderes Verfahren zu schaffen. Vier Monate später wurde der Sohn genau auf diesem Weg eingestellt.
Weitere Vorwürfe sind unter anderem, dass Kim selbst beim Präsidenten einer Universität vorsprach, um seinem jüngeren Sohn einen Studienplatz zu verschaffen. Außerdem soll er Hotelgutscheine von Korean Air im Wert von 1,6 Millionen Won angenommen haben, während er deren Fusion überprüfte. Auch wird seiner Frau vorgeworfen, eine Ausgabenkarte einer Gemeinderatsmitarbeiterin missbräuchlich genutzt zu haben.
Hohe Einsätze im Wettstreit der Krypto-Börsen in Korea
Der Skandal entwickelt sich, während der Wettbewerb am Kryptomarkt in Korea zunimmt. Nach Angaben von CoinGecko kommt Upbit auf 63 Prozent beim Handelsvolumen in Südkorea. Bithumb folgt mit 30 Prozent.
Die Marktmacht von Upbit nimmt ab. Erstmals seit 2020 liegt der Marktanteil unter 70 Prozent. Bithumb hat dagegen die Marketing-Ausgaben deutlich erhöht – von 16,1 Mrd. Won im Jahr 2023 auf 192,2 Mrd. Won im Jahr 2024. Zudem bereitet Binance die Übernahme von Gopax vor, was für weitere Veränderungen am Markt sorgen könnte.
Für eine Branche, in der der rechtliche Status über das Überleben entscheidet, stellt der Skandal unangenehme Fragen zur politischen Einflussnahme im Wettbewerb.
Kim bestreitet die Vorwürfe. Die Ermittlungen laufen weiter.
