Bei seiner Rede auf dem Delphi-Wirtschaftsforum stellte der Federal-Reserve-Gouverneur Miran Stablecoins klar in die Diskussion um die Zukunft des US-Währungseinflusses. Seine Äußerungen signalisierten eine wachsende Erkenntnis innerhalb der Zentralbankkreise, dass dollarbasierte digitale Vermögenswerte keine Randerscheinung mehr sind, sondern eine potenzielle strukturelle Kraft, die die globale Nachfrage nach US-Finanzinstrumenten prägt.
Stablecoins als neue Nachfragequelle für den Dollar
Miran argumentierte, dass Stablecoins, die durch US-Dollar oder kurzfristige Schatzanleihen gedeckt sind, den Dollar effektiv in die digitale Wirtschaft exportieren. Jede ausgegebene Stablecoin erfordert Reserven, die oft in Bargeld oder Schatzanleihen gehalten werden, was eine zusätzliche Nachfrage nach sicheren US-Assets schafft. Nach seiner Ansicht könnte dieses System erheblich skaliert werden. Er schätzte, dass der Markt für Stablecoins bis zum Ende des Jahrzehnts zwischen 1 Billion und 3 Billionen US-Dollar wachsen könnte, verglichen mit etwa 150 bis 200 Milliarden US-Dollar heute.
Im Gegensatz zur traditionellen Nutzung des Dollars, die auf Korrespondenzbanken oder staatliche Reserven angewiesen ist, zirkulieren stabile Münzen grenzüberschreitend nativ. Sie werden für Überweisungen, on-chain-Handel, Zahlungen und Abrechnungen genutzt, oft in Regionen, in denen der Zugang zu US-Bankinfrastrukturen begrenzt ist. Miran beschrieb dies als eine unauffällige Stärkung der Dollar-Hegemonie, nicht als eine Herausforderung dafür.
Kontext der Geldpolitik: Zinssenkungen und Produktivität
Miran’s Äußerungen erfolgten im Kontext sinkender Inflation und wachsender Debatte über den politischen Weg der Federal Reserve. Er erwähnte Forderungen nach bis zu 150 Basispunkten an Zinssenkungen in diesem Jahr, was Vertrauen in die Abkühlung der Inflationsdrucke widerspiegelt. Niedrigere Zinsen, so schlug er vor, könnten mit einem starken Dollar vereinbar sein, wenn die globale Nachfrage nach dollarbezogenen Anlagen weiterhin robust bleibt.
Er verband stabile Münzen auch mit einem breiteren Bemühen um Deregulierung und Produktivitätssteigerung. Durch die Reduzierung von Transaktionsbarrieren bei Zahlungen und Abrechnungen könnten digitale Dollarinstrumente die Transaktionskosten senken und die Kapitaleffizienz verbessern, was das Wirtschaftswachstum fördert, ohne sich ausschließlich auf monetäre Stimuli zu stützen.
Warum die Kryptomärkte Aufmerksamkeit zeigten
Krypto-Marktteilnehmer interpretierten Mirans Äußerungen schnell als stillschweigende Zustimmung zur strategischen Rolle digitaler Vermögenswerte. Stabile Münzen, die lange hauptsächlich als Handelsinfrastruktur betrachtet wurden, wurden stattdessen als makroökonomische Instrumente gesehen, die die finanzielle Einflusssphäre der USA ausweiten. Für eine Branche, die oft als Gegner der Zentralbanken gilt, markierte die Vorstellung, dass stabile Münzen das bestehende Dollar-System stärken könnten, eine bemerkenswerte Wende im Ton.
Diese Erzählweise passt zu jüngeren politischen Diskussionen in Washington, die zwischen spekulativen Kryptowährungen und dollarunterstützten stabilen Münzen unterscheiden und letztere zunehmend als Finanzinfrastruktur und nicht als systemische Bedrohung betrachten.
Skepsis und offene Fragen
Nicht everyone war überzeugt. Kritiker argumentieren, dass stabile Münzen zwar die Nachfrage nach Schatzanweisungen marginal erhöhen könnten, aber tiefgreifende fiskalische Probleme wie steigende US-öffentliche Schulden oder langfristige Defizite nicht angehen. Andere warnen davor, dass die Konzentration von Reserven bei wenigen Emittenten neue systemische Risiken mit sich bringen könnte, insbesondere in Zeiten marktbedingter Spannungen.
Es gibt auch die ungelöste regulatorische Frage. Für eine Skalierung der stabilen Münzen auf das Niveau, das Miran vorgeschlagen hat, werden klare Bundesaufsicht, Reservenstandards und Rücknahmegarantien unerlässlich sein. Ohne sie könnte das Wachstum stecken bleiben oder sich über verschiedene Rechtsräume aufteilen.
Ein subtiler, aber bedeutender Signal
Miran’s Äußerungen waren keine formelle Politik, aber sie waren dennoch wichtig. Sie spiegelten eine sich verändernde Haltung innerhalb bestimmter Teile der Federal Reserve wider: dass digitales Finanzwesen, wenn es richtig strukturiert ist, die globale Rolle des Dollars eher stärken als untergraben könnte. Ob stabile Münzen letztlich zu einer Säule der Dollar-Hegemonie oder zu einem umstrittenen Experiment werden, wird weniger von der Technologie als vielmehr von Regulierung, Vertrauen und Umsetzung in den kommenden zehn Jahren abhängen.
#FedRateCut #TrumpCrypto #Stablecoins #MarketRebound #CryptoNews


