Warum Gemeindebanken sagen, dass das GENIUS-Gesetz die Tür nur halb geöffnet hat
Das GENIUS-Gesetz von 2025 wurde als ein einheitliches Bundesregelwerk für Zahlungsstabilwährungen vermarktet. Strengere Reservenstandards. Starke Verbraucherschutzbestimmungen. Eine klare Botschaft: Stabilwährungen sind für Zahlungen, nicht für Spareinlagen.
Doch kaum war das Gesetz verabschiedet, meldeten US-amerikanische Gemeindebanken Alarm. Nicht wegen dessen Verbote – sondern wegen dessen stillschweigende Auslassungen.
Gesetzgeber waren eindeutig: Stabilwährungen dürfen sich nicht wie Sparkonten verhalten. Emittenten sind daran gehindert, Zinsen oder Erträge für das Halten von Token zu zahlen. Banken unterstützten dies uneingeschränkt und warnten davor, dass zinstragende Stabilwährungen Einlagen abziehen könnten – insbesondere von kleineren, lokal finanzierten Banken, die auf Einlagen von Privatkunden angewiesen sind, um Unternehmen, Landwirte und Hauskäufer zu finanzieren.
Das Problem, sagen Banker, liegt auf einer tieferen Ebene. Die Beschränkung gilt nur für Emittenten, nicht für das umgebende Ökosystem. Börsen und Kryptoplattformen, die Stabilwährungen verteilen, können weiterhin „Belohnungen“ anbieten, selbst wenn der Emittent selbst nichts zahlt.
Anfang 2026 forderten Gemeindebanker das Parlament auf, das Regelwerk erneut zu überprüfen und warnten, dass einige Stabilwährungsmodelle bereits diese Lücke ausnutzten. Die Struktur ist einfach: Der Emittent zahlt keinen Zins, die Plattform, die das Guthaben verwaltet, zahlt Anreize, und der Kunde erlebt dies als Erträge für das Halten von Stabilwährungen.
Aus Sicht des Einlegers ist der Unterschied bedeutungslos. Das Ergebnis wirkt wie Zinsen.
Gemeindebanken sind besonders betroffen, weil sie weniger Spielraum haben, Einbußen bei Einlagen zu kompensieren. Große Banken können auf Großgeschäftsfinanzierung und Kapitalmärkte zurückgreifen. Kleine Banken nicht. Wenn lokale Einlagen zu Stabilwährungsplattformen abwandern, schrumpft die Kreditkapazität – und Kredite werden dort, wo sie am dringendsten benötigt werden, teurer.
Bankenverbände warnen, dass dies den Geist des Gesetzes untergräbt. Selbst wenn technisch konform, führt das Ergebnis genau zu dem, was das Parlament vermeiden wollte.


