Finanzielle kleine Kenntnisse: Graue Rhinozeros-Ereignisse
Was sind graue Rhinozeros-Ereignisse?
Graue Rhinozeros-Ereignisse (Grey Rhino Incident) sind Ereignisse, die offensichtlich existent sind, eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, sich zu ereignen, und klare Warnsignale haben, aber aufgrund der Ignoranz, Verzögerung oder des Glücksdenkens der Menschen letztendlich zu einer großen Krise führen. Dieses Konzept wurde 2013 von der amerikanischen Wissenschaftlerin Michele Wucker beim Weltwirtschaftsforum in Davos erstmals vorgestellt und steht im deutlichen Gegensatz zu „Schwarzen Schwänen“ (ereignisbedingte, unwahrscheinliche Ereignisse).
Graue Rhinozeros sind wie die grauen Rhinozerosse in der afrikanischen Savanne – groß und schwerfällig, aus der Ferne scheinen sie keine Bedrohung darzustellen, aber sobald sie provoziert werden, sind sie äußerst zerstörerisch und schwer zu entkommen. Die zentralen Merkmale dieser Ereignisse sind: Vorhersehbarkeit, hohe Wahrscheinlichkeit, starke Zerstörungskraft und menschliche Ignoranz.
Die fünf Entwicklungsphasen der grauen Rhinozeros-Ereignisse
Nach Micheles Wuckers Theorie durchlaufen graue Rhinozeros-Ereignisse typischerweise fünf Phasen:
Leugnungsphase: Offensichtliche Gefahrenzeichen werden ignoriert, die Existenz der Krise wird nicht anerkannt.
Durchwursteln-Phase: Obwohl man sich des Problems bewusst ist, werden verschiedene Gründe gefunden, um Maßnahmen zu verzögern („Morgen reden wir darüber“, „Lass uns noch etwas warten“).
Bewertungsphase: Man beginnt zu diskutieren, zögert jedoch, was viel Zeit und Chancen kostet.
Panikphase: Die Krise rückt näher, man gerät in Panik.
Aktionsphase oder Zusammenbruchsphase: Entweder wird entschieden gehandelt oder man bricht vollständig zusammen.
Klassische Fälle: Lektionen aus der Geschichte
2008: Die amerikanische Subprime-Krise
Dies ist das典型ische graue Rhinozeros-Ereignis. Jahre vor dem Ausbruch der Krise wurden Probleme wie die Immobilienblase, Subprime-Risiken und die übermäßige Ausgabe von Finanzderivaten mehrfach von Ökonomen und Aufsichtsbehörden gewarnt. Doch das gesamte Finanzsystem war in „irrationalem Überfluss“ gefangen, die Banker wurden von kurzfristigen Gewinnen geblendet, Ratingsagenturen gaben falsche Bewertungen ab, was schließlich zur Insolvenz von Lehman Brothers führte und einen globalen Finanztsunami auslöste.
1986: Die Explosion des Space Shuttles „Challenger“
Vor dem Start hatten mehrere Ingenieure bereits festgestellt, dass die Dichtheit des O-Rings bei niedrigen Temperaturen schlechter wird, und warnten davor. Doch die NASA ignorierte diese Warnungen und startete an einem kalten Morgen unter Zwang, was zu einer tragischen Katastrophe führte. Nach der Untersuchung stellte sich heraus, dass alle Verluste hätten vermieden werden können, wenn der Starttermin auf relativ warmes Wetter verschoben worden wäre.
