Vom Präsidenten zum Gefangenen – wer hätte gedacht, dass der ehemals größte Ölreichtum der Welt, Nicolas Maduro, nun in einer Haftanstalt in Brooklyn sitzt.

Der alte Partner, der einst als Rettungsanker für Maduros Regime galt, aber im entscheidenden Moment auf der Seite der US-Aufsichtsbehörden stand – Tether.

Der Bolivar hat in den letzten zehn Jahren eine Hyperinflation von fast 10.000.000 % erlebt. Was man morgens für ein Sack Mehl ausgab, reichte am Nachmittag vielleicht nur noch für eine kleine Butterkeks.

Der Wendepunkt kam zwischen 2019 und 2020. Mit der zunehmenden Verschärfung der US-Sanktionen gegen Venezuela im Finanz- und Ölsektor wurden die US-Dollar-Abrechnungskanäle der staatlichen Erdölgesellschaft massiv unterbrochen, und das traditionelle Bankensystem praktisch vollständig außer Kraft gesetzt.

In diesem Kontext begannen Stablecoins, in die Energiehandelskette eingeführt zu werden, um Teile des Ölexportes zu ermöglichen und so die sanktionierte Bankeninfrastruktur zu umgehen.

Im Alltag war die Verbreitung von USDT noch einfacher und grausamer: In den letzten zehn Jahren bedeutete das Sparen in Bolivar keine Zinsen, sondern ständige Vermögensvernichtung.

Um zu überleben, begannen die Menschen, ihr Geld in USDT umzutauschen – eine 1:1 mit dem US-Dollar gekoppelte Währung. Bürger nutzten USDT für Miete, Löhne, Einkäufe im Supermarkt und sogar für Friseurbesuche. In vielen Regionen war USDT faktisch zu einer Art „Bürger-Dollar“ geworden.

Für die Wall Street war Tether stets ein hochriskantes Werkzeug zur Umgehung von Sanktionen. Doch in diesem Spiel in Venezuela zeigte es eine völlig andere Seite.

Maduros Regime dachte, man könnte der Aufsicht der USA entgehen, indem man keine US-Dollar-Banken nutzt und nicht über SWIFT geht. Doch sie übersehen einen Punkt: Die Blockchain ist ein öffentliches Buch.

Man kann sich USDT wie einen verfolgbaren, sperrenbaren digitalen Dollar vorstellen. Jede Transaktion hinterlässt eine dauerhafte Spur auf der Blockchain.

Die Folge: Tether begann, mit den US- und internationalen Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten und Geldbörsenadressen zu sperren, die verdächtigen illegalen Transaktionen oder Sanktionsumgehungen unterliegen.

Ist das ein Zufluchtsort? Nein, eher wie eine Echtzeit-Überwachung für die Aufsichtsbehörden.

Warum wurde Tether plötzlich so brav?

Weil es einen größeren Plan verfolgt: Es will sich reinwaschen und legal werden. Mit dem neuen Stablecoin-Gesetz, das letztes Jahr in den USA verabschiedet wurde, hat Tether erkannt, dass es, wenn es nicht bald einen speziell für US-Bürger geeigneten, regulatorisch konformen Token herausbringt, von etablierten Konkurrenten wie Circle völlig ausgegrenzt werden könnte.