Die Aufhebung der Beschränkung für Unternehmen, Kryptowährungen zu kaufen, in Südkorea, löst bei den meisten Menschen zunächst die Reaktion aus, dass dies positiv sei. Doch ehrlich gesagt wird sich in kurzer Zeit vermutlich nichts ändern.
Die Anlage von Kryptowerten durch Unternehmen ist kein Akt von Privatanlegern, die auf sogenannte "Pump-and-Dump"-Coins setzen. Es sind Prozesse, Genehmigungen und Risikomanagement, die unbedingt erforderlich sind. Selbst die interne Entscheidungsfindung dauert mehrere Monate. Man sollte nicht erwarten, dass in der nächsten Woche Kapital fließen wird.
Die südkoreanische Finanzaufsicht hat die seit 2017 bestehende Einschränkung für Unternehmen, in Kryptowerte zu investieren, aufgehoben und ermöglicht nun, dass börsennotierte Unternehmen und professionelle Anlageinstitutionen bis zu 5 % ihres investierbaren Vermögens in die 20 Kryptowährungen mit der höchsten Marktkapitalisierung anlegen dürfen.
Rund 3500 Unternehmen erfüllen die Voraussetzungen und könnten theoretisch teilnehmen. Beachten Sie jedoch, dass dies nur bedeutet, dass sie *können*, nicht, dass sie *müssen*.
Der eigentliche Sinn dieser Maßnahme liegt nicht in einem kurzfristigen Kaufdruck, sondern in der Regelkonformität.
Kryptowerte werden erstmals offiziell in den Bilanzen von Unternehmen erlaubt, was in der asiatischen Aufsichtslandschaft eine erhebliche Wende darstellt.
Es bedeutet, dass Unternehmen nicht länger in einer Grauzone agieren müssen, sondern Kryptowerte nun rechtmäßig in ihren Finanz-, Prüf- und Offenlegungssystemen halten können.
Diese Regelung stärkt faktisch auch die Stellung der führenden Assets. Die Beschränkung auf die 20 größten Kryptowährungen mag auf den ersten Blick locker erscheinen, tatsächlich sagt sie aber den Unternehmen, dass nur liquide und marktreife Assets zugelassen sind. Dies ist ein Vorteil für BTC, ETH, BNB und SOL.
Aber es gibt auch Probleme. Die Obergrenze von 5 % und die feste Beschränkung auf die 20 größten Marktkapitalisierungen bedeuten, dass neu hinzukommendes institutionelles Kapital stark auf die führenden Assets konzentriert sein wird.
Für Kryptowährungen mit niedriger Marktkapitalisierung oder solche, die stark von Community-Stimmungen und Geschichten abhängen, ist dies eine nachteilige Entwicklung. Nachdem institutionelles Kapital eintritt, wird sich die Marktdifferenzierung und der sogenannte "Matthew-Effekt" nur verstärken.
Außerdem werden die zeitlichen Rhythmen von Unternehmenskapital viel langsamer sein, als es der Markt erwartet. Sie werden nicht wie Privatanleger auf Trends setzen oder auf Volatilität spekulieren, sondern eher vorsichtig, in geringen Anteilen und langfristig investieren. Wenn der Markt die Erwartung vertritt, dass Unternehmen sofort auf Nachrichten reagieren und kaufen, wird die unmittelbare Wirkung dieser Maßnahme leicht überschätzt.
Es handelt sich daher eher um eine langsame Variable.